Als Finnland nach Nürnberg kam

Irgendwann im Frühjahr kursierte das Gerücht, dass Deutschlands größtes Weltmusikfestival, das Bardentreffen in Nürnberg, den Schwerpunkt „Finnland“ dieses Jahr haben werde. Anfang Juni stand es dann auch „schwarz auf weiß“, als die Stadt Nürnberg eine Infomail darüber verteilte. Und natürlich war ab dem Zeitpunkt kein Zweifel mehr dran: das erste Wochenende im August ist für finnische Musik in Nürnberg reserviert.

In strömendem Regen fuhr ich bereits nachmittags am Freitag mit dem Zug nach Nürnberg. Bis ich an der Lorenzkirche war, tröpfelte es zum Glück nur noch leicht. Um 15:30 Uhr hatte ich nämlich ein Date mit einer Journalistin der Nürnberger Nachrichten. Sie wollte für ihren Bericht über das Ereignis jemanden interviewen, der sich mit dem Schwerpunktthema auskannte. Dazu eignete sich eine Finnin natürlich ausgezeichnet. Die Fragen drehten sich hauptsächlich um das Thema „Grundwesen der Finnen“ und ob die Finnen sich dann so sehr von den anderen Europäern unterscheiden, wie zumindest das Klischee lautet. Sprich, stimmt es, dass sie spinnen, die Finnen. Ich musste natürlich zugeben, dass die Finnen gewissermaßen schon sowohl die Veranlagung als auch den Mut haben, anders zu sein.

Das finnische Highlight des ersten Bardentreffenabends waren Alamaailman Vasarat (Die Hämmer der Unterwelt) und deren Auftritt auf der Insel Schütt. Mit ihren ulkigen aber sehr unterhaltsamen instrumentalen Musikstücken für Posaune, Klarinette, zwei Cellos, Klavier und Schlagzeug machten sie in der Abenddämmerung richtig Stimmung. Die Stücke waren eine Mischung aus Jazz, Polka, Tango, Punk und Heavymetal. Selbst bezeichnen die Vasarat ihre Musik als „punkige Blechmusik für Geheimagenten“. Genauso kreativ-skurril was auch ihre Musik. Meine Freundinnen, Marjo und Alex, waren ebenso begeistert. Nachher ging es zu einer Suomi-Disko im K4, wo man sich mit anderen Finnland-Fans über die Eindrücke austauschen konnte. Und natürlich Salmiakki-Kossu geniessen konnte! Wir lernten u.a. Tim aus Ravensburg kennen, dem als ein Finnland-Begeisterter (und somit natürlich auch DFG-Mitglied) das Event, trotz der langen Fahrt vom Bodensee nach Nürnberg, ein Muss war.

Die finnischen Auftritte am Samstag waren von der Musikrichtung her schon wesentlich einfacher zuzuordnen: Uusikuu mit ur-finnische Tangos, Pauliina Lerche als typische Vertreterin der finnischen Folklore (Ihre Karriere begann in der Urbesetzung von Värttinä) und Leningrad Cowboys, deren Rock’n’Roll-Shows ja schon weit und breit bekannt sind. Ausser der Band La Sega del Canto, ein Duo aus Gitarre/Pumporgel/Blockflöte/Löffel (der Wechsel von einem Instrument zum anderen ging teilweise sekundenschnell) und singende Säge. Wobei, bei dem Auftritt des Duos ging es erstrangig nicht darum, was gespielt wurde, sondern wie die Lieder gespielt – oder eher „performed“ – wurden.

Das Repertoire reichte von Camille Saint-Saëns "Karneval der Tiere" über „I just called to say I love you“ von Steve Wonder sowie das finnische Kinderlied über die Eichhörnchen in ihrem Nestchen bis zum „Euro-Heavy-Rock“-Lied - wie die Band selbst es angekündigte - „Final Countdown“ von der Band „Europe“. Das war ein Marathon der Lachnerven. Am Sonntag konnte man das Säge-Erlebnis wiederholen, was wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollten. Auf dem kleinen Platz „Trödelmarkt„ war die Stimmung noch wesentlich intimer als bei der ersten Auftritt auf der Insel Schütt und somit fast noch amüsanter. Mittlerweiler hatten wie Verstärkung aus Finnland bekommen: der Schlagzeuger der Band The Nightingales, Mäksi, hatte sich an unsere Festival-Bande angeschlossen.

Den krönenden Abschluss der Reise durch die finnische Weltmusik gab das Mundharmonika-Quartett Sväng. Sie traten in der Katharinenruine auf, wie am Samstag die Tangogruppe Uusikuu. Nachdem wir den Auftritt von Uusikuu auf Fußspitzen stehend anschauen mussten, da wir erst nach dem Beginn des Konzerts eintrafen und in der voll gefüllten Kirchenruine in der hintersten Reihe bleiben mussten, waren wir diesmal schlauer und kamen bereits vor einer Stunde zum Konzertort. So konnten wir sogar noch ein Nickerchen direkt vor der Bühne machen, bevor das ehemalige Kirchenschiff anfing, sich zu füllen. Sväng lieferte ein grandioses Konzert mit ihrem Mundharmonika-Können. Das Repertoire reichte von fast zum Herzrasen bringenden Groove-Stücken bis zu herzreißenden Balladen. Mit dabei waren auch zahlreiche Eigenproduktionen von den Bandmitgliedern.

Gefüllt von finnischen Eindrücken und Erlebnissen legten wir uns mit alten und neuen finnlandbegeisterten Freunden im Biergarten vom Irish-Pub Vischer’s nieder und ließen den Abend gemütlich - und sehr finnisch - beim Bier ausklingen.
Mari Koskela


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Letzte Änderung: 12.02.2014
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