Dabei sein ist eben doch alles!

Einmal Teilnehmer an einer Weltmeisterschaft zu sein, wäre schon Grund genug gewesen, um nach Finnland zu fahren. Aber die Möglichkeit, vor diesem großen Event auch noch ein Trainingslager am See und im echten finnischen Mökki zu absolvieren, ließ auch die letzten Bedenken schwinden.
Nur ganz insgeheim hatte der eine oder andere gehofft, Mölkky-Weltmeister zu werden oder wenigstens die erste Runde zu überstehen.

Drei Mannschaften der Nürnbergin Pölkky Veikot NPV wollten in Lahti ihr Glück versuchen. Ein Teil davon traf am Dienstag am Mökki unserer Gastgeber ein, um sich ordentlich vorzubereiten.

Nach dem Einführungskurs in die finnische Sauna, dem ersten Badegang im 17° kalten Kallavesi und einem Begrüßungstrunk mit Lapin Kulta, folgten abwechslungsreiche Tage mit Training und Kultur. So konnten wir bei einer Weinprobe leckeren Johannisbeerwein verkosten und mit Johannisbeerschnaps versetzten Senf probieren, der sicher hervorragend zu Weißwürsten passt. Wir haben ein Museum besucht, das in einem alten Pfarrhaus mit Nebengebäuden untergebracht ist, und einiges mehr. Und immer wurden wir liebevoll umhegt von unseren Gastgebern Johanna und Horst, Sisko und Juhani. An sie von dieser Stelle noch mal ein herzliches Danke.

Am Freitag durften wir ein bei Tuoterengas, dem Hersteller der Mölkky-Spiele einen Blick auf die Fertigung werfen. Tuoterengas ist eine Werkstatt mit mehreren Stützpunkten in Finnland. Dort wird Menschen Gelegenheit gegeben, wieder im Arbeitsalltag Fuß zu fassen, die das auf dem freien Arbeitsmarkt so nicht bewältigen könnten. Diese Werkstatt in Vääksy fertigt neben den Spiele-Sets auch noch Munitionskisten für die Finnische Armee. In der Drehbank werden die Birkenabschnitte zunächst rund gedreht. Ein einarmiger Roboter übernimmt die Kegel, schneidet sie schräg ab und entgratet die Kanten. Danach legt er sie in eine Halterung und mittels Laser werden dann die Ziffern eingebrannt. Die Kisten werden auf ähnliche Weise hergestellt. Von Menschenhand werden die Kisten mit den Kegeln bestückt und gehen dann in den Versand. Als wir dort waren wurden gerade die Spiele für die WM verladen.

Am Nachmittag war Training in Lahti angesagt. Wir haben versucht, bei unserer Sportstättenbegehung einen sehr professionellen Eindruck zu hinterlassen, und haben schon mal auf dem anderen Untergrund geübt. Inzwischen waren auch alle Teilnehmer der NPV in Lahti eingetroffen. Unsere finnischen Sportsfreunde, die vorher bei ihren Familien Urlaub gemacht hatten und diejenigen die erst später in Finnland angekommen waren.

14 Mölkky-Enthusiasten, die am Samstag frohen Mutes antraten, sich alle erdenkliche Mühe gaben und trotzdem in der ersten Runde ausscheiden mussten.
Am schlimmsten traf es NPV 2, die nach 5 von 6 Spielen noch auf Platz 1 standen und am Ende doch nur den undankbaren 4. Platz in der ersten Vorrunde erreichten.
Natürlich gab es 1000 Gründe warum es nur für die Holzmedaillen gereicht hatte:
Die Wetterbedingungen: 12° kalt und Regen. Der andere und nasse Untergrund.
Das Doping Verbot (nicht mal Bier darf man beim Spielen trinken, was für einen Franken schon einer Körperverletzung gleich kommt). Gegner, die sich gekonnt tarnten und völlig unterschätzt wurden und dergleichen mehr.

Die Wahrheit ist, wir müssen noch viel üben, denn die Holzmedaillen waren auch nicht wirklich erkämpft, sie gab es für alle schon bei der Anmeldung. So treffen wir uns weiterhin im Pegnitzgrund, können uns wegen mangelnder Konkurrenz über unsere guten Leistungen freuen und sie bei Bedarf auch mal begießen. Und, dass wir Weltmeister der Lebkuchenherzen sind, ist schließlich eine unumstößliche Tatsache.

Übrigens hatten andere aus unserer Reisegruppe an diesem WM-Wochenende richtig Grund zum Jubeln: Sisko Reensalo und Andreas Crone haben am Helsinki-Marathon teilgenommen und waren nach 3 Std:30 Min (Andreas) bzw. 3 Std:55 Min (Sisko) im Ziel. Herzlichen Glückwunsch!
Gisela Kettembeil

 

Hollala, wir waren in Hollola!

Was kann es nach erlebnisreichen, aber vom Wetter und von den Ergebnissen sehr durchwachsenen WM-Mölkky-Spielen schöneres geben als Hollola, das Hollywood des Mölkkys?

Dort soll es laut Wikipedia eine mittelalterliche Kirche geben, ein Sohn des Dorfes soll Janne Ahonen sein. Bekannt für uns ist aber Hollola nur wegen der Stammkneipe unserer finnischen Mölkky-Freunde, mit denen uns spätestens seit der deutschen Meisterschaft vom Juni dieses Jahres eine enge Freundschaft verbindet und die uns dort hin eingeladen hatten. Ein reichliches Abendessen, aber natürlich auch diverse, teils undefinierbare Getränke warteten auf die hungrigen und durstigen Kämpfer von der Nürnberger Mölkky-Gruppe.

Die Kneipe ist etwas verwinkelt. Mein erster Eindruck: Ungeeignet für größere Gesellschaften. Doch Holla: Spätestens nach dem Essen musste ich meine Meinung revidieren: In jeder der vielen Winkel des Lokals sammelten sich die Tisch-Mölkky-Spieler und spielten in Gruppen um den Einzug in das Endspiel. Was schreib ich von Tisch-Mölkky? Tatsächlich handelt es sich um Unter-Tisch-Mölkky. Es wurde mit einer Miniatur des Mölkkyspiels auf dem Boden gespielt, mit Bande, um die Ecke und notfalls unter den Speisetischen der Gäste hinweg in die Küche hinein. Gästen und Bedienungen flogen Wurfhözer um die Füße, sie mussten die Beine breit machen für verirrte Mölkkysteine. Da packten dann doch noch einige von uns die letzten Reserven aus. Und Olala! Erstes richtiges Erfolgserlebnis des Tages! Wir waren mit einer Mannschaft im Endspiel vertreten und konnten uns mit einem beachtlichen dritten Platz erfolgreich in der Weltspitze des Mölkkyspiels zurückmelden.
Rainhard Walberer


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Letzte Änderung: 12.02.2014
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