Auch bei Regenwetter hat ein Ausflug ins Freilandmuseum seinen Reiz!

Am 26. Mai dieses Jahres hatte die DFG Nürnberg eingeladen zu einem Ausflug in das Fränkische Freilandmuseum in Bad Windsheim. An diesem Sonntag war der Himmel allerdings wolkenverhangen, es regnete oder nieselte fast durchgehend und es war auch relativ kühl. Das hatte wohl so man-chen potentiell Interessierten dazu bewogen, doch nicht mit „auszufliegen“.
Am Hauptbahnhof in Nürnberg trafen wir uns schließlich zu viert – Ritva, Ulla, Sigi und ich (Otfried). Und mit dem Gefühl und dem eisernen Willen, wie uns das bekannt ist von dem Dorf der unbeugsamen Gallier um Asterix, traten wir das kleine Abenteuer an, gut gerüstet mit entsprechender Kleidung und Regenschirmen.

Die Zugfahrt nach Bad Windsheim dauerte 45 Minuten und war ganz gemütlich. Es entwickelte sich eine gute Stimmung, Sigi erzählte Geschichten aus seinem reichen Erfahrungsschatz als langjähriges Mitglied der DFG. So waren wir schnell zu einer tollen Truppe zusammen gewachsen.
Vom Bahnhof in Bad Windsheim bis zum Freigelände des Museums im Süden der alten Reichsstadt  geht es quer durch die Altstadt mit seinen zahlreichen schönen Gebäuden aus den verschiedenen Epochen der Stadt vom Mittelalter, über Renaissance, Barock, Klassizismus, bis zur jetzigen Zeit.
Vor dem Rathaus kann man durch Glasscheiben auf mittelalterliche Grabstätten blicken. Das ließen wir uns natürlich nicht entgehen.

An der südlichen Stadtmauer liegt der mittelalterliche Bauhof. Er ist Teil des Museums und vermittelt insbesondere, wie die Stadtbürger wohnten. Mit diesen ersten Eindrücken aus dem Museum erreichten wir wenig später das große Freigelände. Als Mitglied im Förderverein des Museum hat man übrigens das ganze Jahr freien Eintritt und bekommt noch jedes Jahr das Jahrbuch, in welchem alles Neue zum Museum berichtet wird. Die Einzelmitgliedschaft kostet 28 € und die Familienkarte 38 € nur.

Unsere erste Station im Gelände war dann die Ausstellungsscheune. Es gibt dort laufend sehr informative und gut gestaltete Ausstellungen. Als wir dort waren, gab es eine höchst interessante Ausstellung über den Nürnberger Reichswald. Die Ausstellung informierte umfassend über die Geschichte, die Besitzverhältnisse, die Nutzung des Waldes. So war schnell fast eine ganze Stunde 'rum, als wir zum Mittagessen in das Wirtshaus am Eingang einkehrten. Wir stärkten uns mit  guter fränkischer Kost und einem guten typischen Bier aus einer fränkischen Landbrauerei. Wir wärmten uns auf, tauschten uns aus über die bisherigen Eindrücke und es wurden Fotos geschossen mit Hilfe der Bedienung.

Dann ging es weiter zum Dorf Regnitzfranken-Frankenalb. Die ins Museum umgesetzten Gebäude sind dort in Dorfgruppen zusammen gestellt, um die jeweils regionalen Besonderheiten und Baustile lebendig werden zu lassen. Es gibt gegenwärtig vier Dorfgruppen, dazu noch die Gebäudegruppe am Eingang und ein Gebäudeensemble Technik. Dort ist zum Beispiel die Ziegelbrennerei, denn für den Wiederaufbau und die Erhaltung der Gebäude werden soweit möglich die Baumaterialien im Museum selbst hergestellt. In der Technik-Gruppe steht als neuere Errungenschaft ein Stahlhaus, welches in den 40er und 50er Jahren des letzten Jahrhunderts von der MAN in Nürnberg gebaut wurde. Aber bis zu dieser Gruppe schafften wir es nicht. Im Museum und in jedem Gebäude ist soviel Interessantes zu erkunden, sodass man, wenn man alles gründlich, gemütlich und ohne Eile anschauen will, drei Tage braucht.

Im Dorf Regnitzfranken-Frankenalb steht auch der Seubersdorfer Hof, ein Gebäude aus dem 17. Jahrhundert. Es war in Seubersdorf (jetzt Gemeinde Dietenhofen) das erste Gebäude nach der Wiederbesiedlung dieser Gegend nach dem Dreißigjährigen Krieg durch lutherische Exulanten aus Salzburg. Zuletzt war das Bauernhaus im Besitz der Familie Schindelbauer, die das Gebäude dann dem Museum vermachten. Es war dann eines der ersten Gebäude, die im Museum aufgebaut wurden. Das war um 1980. Ich komme aus Seubersdorf und bin mit der Familie Schindelbauer eng befreundet. Ich hatte, als ich schon in Nürnberg wohnte, meine Sommerferien immer bei den Schindelbauers verbracht und noch in dem alten Bauernhaus gewohnt. Das Bett in dem ich geschlafen habe, steht noch im Original im Haus im Museum. Das ist natürlich ein ganz besonderer persönlicher Bezug zum Freilandmuseum. Klar, dass ich auch im Förderverein bin und gerne den Museumsführer mache, wenn Freunde zum Ausflug hierher kommen. So könnten wir durchaus nächstes Jahr wieder hierher kommen – und dann gehen vielleicht auch noch mehr Freunde aus der DFG mit.

In der Dorfgruppe besichtigten wir noch den typischen Hopfenbauernhof aus dem Hersbrucker Land und die Mühle aus Unterschlauersbach. Übrigens das Nachbardorf von Seubersdorf. Die Mühle war in Betrieb, sodass wir uns darüber schlau machen konnten, wie früher das Korn gemahlen wurde und wie das Müllerleben früher aussah. Zur Stärkung genehmigten wir uns hier einen guten fränkischen Obstbrand.

Auf dem Weg zum Mainfranken-Frankenhöhe-Dorf besichtigten wir das Jagdschlösschen aus Eyerlohe  und den Weinbauernhof (mit zwei kleinen Weinfeldern am Hang aus Retzstadt. Dann zog es uns, um uns von Regen und Kälte zu erholen, nochmals ins Wirtshaus. Bei Kaffee und Kuchen wärmten wir uns für den Rückweg zum Bahnhof auf. Es war, trotz der widrigen Wetterumstände, ein gelungener, interessanter und erlebnisreicher Ausflug, den wir vier unbeugsamen Gallier - eeh „Finnen“ - unternommen haben. Ich hoffe mein Bericht macht Lust, dass eventuell nächstes Jahr wieder so ein Ausflug zustande kommt – und dann mehr dabei sind.

Otfried Stein


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Letzte Änderung: 12.02.2014
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